678 Frauen suchten 2020 Unterstützung bei der Beratungsstelle Frauennotruf

Beratung des Frauennotrufs auch während Corona-Krise

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die langen Lockdown-Phasen stellen das Team der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt immer wieder vor neue Herausforderungen und fordern Kreativität im Beratungsalltag.

 

„Auch während der Pandemie versuchen wir unser Beratungsangebot aufrecht zu erhalten und sind für Frauen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind, ansprechbar“ so Pia Barth, Beraterin bei der Beratungsstelle Frauennotruf. „Betroffene können sich jederzeit telefonisch oder per Mail an uns wenden. Rückrufe von uns sind nicht nachverfolgbar und erfolgen stets mit anonymer Nummer. Für persönliche Notfallberatungen steht uns ein geschützter Raum zur Verfügung, indem wir unter Einhaltung aller Corona-Schutzregeln Hilfe und Beratung leisten.“

„Anders als von vielen Seiten vermutet, lässt sich in Frankfurt pandemiebedingt bisher kein Anstieg der Fallzahlen belegen“, so Pia Barth. „Während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Frauen, die bei uns Unterstützung suchten, zunächst ab. Die Nachfrage pendelte sich jedoch nach wenigen Wochen wieder auf das Niveau des Vorjahres ein.“

Die Beratungsstelle, die auch während der Pandemie uneingeschränkt als Anlaufstelle zur Verfügung steht, konnte im vergangenen Jahr trotz erschwerter Bedingungen 678 Frauen beratend zur Seite stehen (2019: 743 Frauen; 2018: 667 Frauen).

270 Fälle von Körperverletzungsdelikten mit unterschiedlichen Schwergraden wurden 2020 an die Beratungsstelle herangetragen. Knapp 60 Prozent dieser Frauen brachten die Tat zur Anzeige. Beratungsanfragen von Frauen, die eine Vergewaltigung oder Nötigung erleben mussten, sind mit 203 Fällen anhaltend hoch (2019: 200 Anfragen). Weitere 50 Frauen suchten nach einer sexuellen Belästigung Unterstützung (2019: 54 Frauen).

Anonymität ist und bleibt im Alltag der Beratungsstelle ein zentrales Thema. Etwa jede zweite Frau möchte die angebotenen Beratungsleistungen explizit anonym in Anspruch nehmen (2020: 337 Frauen).

Trotz der zahlreichen Einschränkungen – teilweise waren während des ersten Lockdowns Krankenhäuser nur erschwert zugänglich, um das Ansteckungsrisiko zu verringern - konnten im Versorgungsverbund „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ in allen beteiligten Regionen 145 Frauen in Krankenhäusern versorgt werden (2019: 169 Frauen). Damit das Soforthilfe-Angebot, das die Gesundheit der Betroffenen in den Vordergrund stellt und keine polizeiliche Anzeige voraussetzt, in der Bevölkerung präsent bleibt, werden im April und Mai erneut Großplakate auf Bussen im Frankfurter Verkehrsverbund auf das Hilfsangebot aufmerksam machen. Diese Aktion wird durch das Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt gefördert.